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„Kassel braucht einen Kulturdezernenten mit der Kraft der Gestaltung von Kultur und nicht nur der Verwaltung von Kultur“, fordert Dr. Marlis Wilde-Stockmeyer, kulturpolitische Sprecherin der Linken.
Die Quasi-Koalition aus SPD und Grünen hat beschlossen, den bisherigen Kulturdezernenten, Herrn Junge, nicht wieder zu wählen. Wegen der jetzigen, politischen Stimmen- und damit Machtverhältnisse beansprucht die SPD das Kulturdezernat für sich und kritisiert entsprechend den Kulturdezernenten.
Sicher haben wir auch als Linke etliches zu kritisieren, so agierte Herr Junge im Bereich des Brüder Grimm –Schwerpunkts alles andere als glücklich: Sein langes Festhalten an bestimmte Standorte führte zu der zögerlichen Haltung beim Ausloten der Möglichkeiten für die Standorte Torwache und Verwaltungsgerichtshof. Die Gefahr für Kassel, in der Konkurrenz zu anderen an den Brüdern Grimm interessierten Städten dadurch ins Hintertreffen zu kommen, ist durchaus real. Dies ist ein Beispiel.
Besser und transparenter verläuft es bei dem anderen großen Projekt, dem Ausbau des Stadtmuseums.
Positiv sehen wir als Linke seinen Einsatz für die Stärkung der Kinderkultur, da ist Vieles in Bewegung gekommen. Den Nachwuchs für Kultur zu interessieren und zu begeistern ist für die Kultur selber lebensnotwendig.
Die SPD beabsichtigt, in Absprache mit den Grünen, das Kulturdezernat beim Oberbürgermeister anzusiedeln, kritisiert Dr Marlis Wilde-Stockmeyer. Kassel mit seiner herausragenden Museumslandschaft, der documenta und der lebhaften, vielfältigen kulturellen Szene hat ein eigenständiges Kulturdezernat verdient.
 
 
Kassel und auch der Oberbürgermeister schmücken sich gern mit dem Zusatz „documenta-Stadt“. Aber documenta ist nicht nur ein Sammelbegriff, documenta steht auch für bestimmte Inhalte. Ich möchte es deutlich machen am Bsp. Joseph Beuys, so Wilde-Stockmeyer. Joseph Beuys schenkte der Stadt Kassel nicht nur seine soziale Plastik „7000 Eichen“ für die Stadtverwaldung statt einer bloßen Stadtverwaltung!
Joseph Beuys war auch ein Vorreiter, ein Symbol eines demokratischen, eines fortschrittlichen Kulturbegriffs. Dieser beinhaltete nicht nur die repräsentative und die museale Kultur, die sog. Hochkultur, sondern er setzte sich, genauso wie der legendäre Frankfurter Kulturdezernent Hilmar Hoffmann für eine „Kultur für alle“ ein und damit für Beteiligungsmöglichkeiten aller Menschen an Kultur.
Der Oberbürgermeister spricht gern von der „Marke Grimm“ und von den „Leuchttürmen“, aber das ist Verwaltungsprosa, ist Bürokratenlyrik, es ist letztendlich die Marketingsprache. Viele haben sich schon an die schleichende Ökonomisierung auch der Kultur- und Bildungsbereiche gewöhnt, an die bloße Vermarktung von Kultur. Es ist schon eine grundlegende Frage: Welche Kultur will man fördern und mit welcher Zielsetzung?
Wir als Linke erwarten von einem Kulturdezernenten eine deutliche Stärkung des demokratischen Kulturverständnisses. Das bedeutet: vor allem:
1.      mehr Unterstützung für die vielfältigen sozio-kulturellen Aktivitäten
2.      bezahlbare kulturelle Teilhabe aller Menschen
3.      stärkere Einbeziehung hier lebender Menschen unterschiedlicher Nationalitäten in eine demokratische Kultur, die mehr ist als folkloristische Tanzeinlagen und entsprechendes Essen.