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Die Gemeinschaftsunterkunft am Platz der deutschen Einheit zeigt exemplarisch, welche Probleme es mit sich bringt, wenn die Versorgung mit dringend notwendigen Unterkünften den Angeboten von Privaten überlassen wird. Bereits der Fall des AfD-Stadtverordneten Gratzer hat vorgeführt, wie private „Investoren“ versuchten mit der Unterbringung von Geflüchteten Geschäfte zu machen. Die Kasseler Linke hatte bereits vor einem Jahr eine Anfrage zu den Vertragslaufzeiten gestellt, damals war im Ausschuss die Öffentlichkeit ausgeschlossen worden. „Hier zeigt sich, wie unter kapitalistischen Vorzeichen aus Elend Profit gemacht wird“, so Lutz Getzschmann, Fraktionsvorsitzender der Kasseler Linken. Nichtsdestotrotz lag die Stadt 2015 richtig, schnell zu handeln. Die Probleme resultieren eher aus Jahren zuvor, in denen es versäumt worden war auf den Mangel an bezahlbarem Wohnraum zu reagieren. Nun gelte es Lehren daraus zu ziehen, tatsächlich mit einer Offensive für bezahlbaren Wohnraum zu beginnen und positive Beispiele wie das Kasseler Modell der GWG auszubauen. Städtische Trägerschaft würde eine Bedarfsplanung ermöglichen. Weiterhin gelte es Geflüchtete möglichst schnell in dezentrale Wohnungen unterzubringen, um Integration und langfristige Perspektiven zu erleichtern.

 

Die freien Plätze in den Gemeinschaftsunterkünften, die ohnehin durch die langfristigen Verträge bezahlt werden müssen, zeigen die Kapazitäten in der Stadt. Ein kreativer Umgang mit den bestehenden Leerständen könnte beispielsweise durch die kurzzeitige Vermietung an wohnungssuchende Studierende gesucht werden. Es wäre außerdem zu begrüßen, wenn die Stadt Kassel dem Beispiel etwa aus Darmstadt („57 Darmstadt verdoppelt“) und Marburg („200 aus Idomeni“) folgen würde und die Zuweisung von Geflüchteten im Rahmen des Relocation Programm offensiv vertreten würde. In verschiedenen deutschen Städten und Gemeinden haben sich Bündnisse gegen die unmenschliche EU-Politik formiert und wurden Beschlüsse auf lokaler Ebene gefasst, die die schnelle Aufnahme von Geflüchteten in ihrer Kommune fordern, um die Mittelmeeranrainer Italien und Griechenland zu entlasten. Dazu hatte es 2015 EU-Beschlüsse unter dem Stichwort Relocation gegeben, denen Deutschland jedoch nie nachgekommen ist. „Auch in Kassel gibt es eine großartige Willkommenskultur. Es ist absurd, wenn hier Unterkünfte leer stehen und am Rand Europas die Menschen in teils unmenschlichen Bedingungen verharren“, so Lutz Getzschmann, Fraktionsvorsitzender der Kasseler Linken.