Rede von Norbert Domes zum  'Langen Feld' und der letzten Offenlage des Bebauungsplans die in der Stadtverordnetenversammlung beschlossen werden soll Mehr dazu auch im InformationsSystem der Stadt Kassel

Anrede

Trotz aller schon geführten Debatten um das Lange Feld erfordert dieses Projekt auch heute - mit der Vorlage zum Offenlegungsbeschluss - eine grundsätzliche Betrachtung. Mit einer Detail-Diskussion wird man dieser Weichenstellung nicht gerecht. Denn dieses ist von gravierenden Fehlern gekennzeichnet.

Fehler Nummer 1

Der Grundsatz, Gewerbegebiete nur regional abgestimmt und interkommunal zu entwickeln, wird missachtet.

Die Stadt treibt ihr eigenes Projekt voran und fördert damit den Rückfall in interkommunale Konkurrenz.

Fehler Nummer 2

Die Grundsätze der Nachhaltigkeit, der Reduzierung des Flächenverbrauchs, des Vorrangs der Innenentwicklung werden missachtet.

Die Entwicklung des Gewerbegebiets 'Langes Feld' ist hierzu völlig kontraproduktiv.

Die Chancen, vorhandene Brachflächen und untergenutzte Flächen zu entwickeln, werden verschlechtert.

Denn erstens stehen die Fördermittel, die im Langen Feld eingesetzt werden, nicht mehr für die Innenentwicklung zur Verfügung und zweitens: das zusätzliche Angebot freier Flächen auf der grünen Wiese macht die Vermarktung der Brachflächen noch schwieriger, als sie jetzt schon ist.

Fehler Nummer 3

Es wird am Bedarf vorbei geplant. Bei einer regionalen Betrachtung wird deutlich, dass der beschworene Engpass beim Angebot freier Gewerbeflächen so nicht besteht. Beim fertig erschlossene Gebiet Thielenäcker ist die Nachfrage offenbar Null, da sollen jetzt mit Dumpingpreisen weit unter den Entwicklungskosten Käufer gefunden werden. Ein bedenkliches Omen für das Lange Feld.

Mit dem Langen Feld wird in Konkurrenz zu anderen Projekten (Sandershäuser Berg) mit massivem Einsatz öffentlicher Mittel ein Überangebot an Gewerbeflächen erzeugt.

 Ja aber wir brauchen doch neue Arbeitsplätze - wird dann entgegnet.

Als gäbe es diesen direkten Zusammenhang zwischen der Neuerschließung von Gewerbegebieten und einem Abbau der Arbeitslosigkeit.

Ein erheblicher Teil dieser neu angesiedelten Gewerbe sind schlicht und einfach Verlagerungen.
Da steckt kein realer Zuwachs von Arbeitsplätzen drin (und oft sogar ein Abbau).

Verlagerungen mit den negativen Folgen, dass an anderer Stelle wieder untergenutzte Gewerbeflächen entstehen und Arbeitsplätze verschwinden.

Dem wird entgegnet: wir wollen doch neue, zusätzliche Arbeitsplätze, nach dem Vorbild SMA.

Wenn jetzt das Lange Feld angepackt wird, setzt sich die Stadt unter einen erheblichen Zwang, die Flächen zu vermarkten, denn die Kosten sind mit 50 Millionen plus X enorm. Bei der gegenwärtigen Nachfrage kann das gut 20 Jahre dauern, bis die Flächen verkauft sind. Dass dabei noch steuernd auf die Art des Gewerbes Einfluss zu nehmen sei, dass dort nur Firmen hinkommen werden, für die Flächen im Innenbereich absolut nicht tauglich sind, mag glauben, wer will.

Selbst wenn wir den unterstellten Bedarf an neu entwickelten Gewerbeflächen hätten, so müssen wir trotzdem fragen, was kostet uns dieses Projekt Lange Feld. Ist das die geeignete Fläche?

(Nur Kirchtumpolitiker haben da die schnelle Antwort, dass es im Stadtgebiet keine anderen Flächen dieser Größe mehr gäbe und halten das bereits für ein Argument.)

Es geht um die Lebensqualität und die Gesundheit der Menschen in Kassel und Umgebung.
Es geht darum, dass das Kasseler Becken insbesondere durch den Verkehr hoch belastet ist.
Es geht darum, dass diese Belastungen durch den Weiterbau von A49 und A44 und den prognostizierten Zuwachs an LKW-Verkehr weiter wachsen wird. Darf man in dieser Lage die klima-aktive Fläche Langes Feld opfern und zugleich noch zusätzliche Belastungen durch Verkehr und Gewerbe-Emissionen oben drauf setzen?

Selbst wenn man alles in Kauf nehmen will, das Überangebot, den Dumpingwettbewerb zwischen den Kommunen, die finanziellen Belastungen für die Stadt, die gesundheitlichen Belastungen für die Bevölkerung, den Verlust des Langen Felds mit seinem Nutzen für die Luftqualität - dann frage ich doch noch:
wie zukunftsorientiert ist eine Planung, in der ein Gewerbegebiet dieser Größe ohne die Option auf einen Gleisanschluss und ohne die Option auf einen schienen-gebundenen ÖPNV entstehen soll?

 Die Alternativen sind vorhanden:

  • Die Flächenreserven mobilisieren.
  • Regionale Kooperation.

Mit 50 Millionen +X könnten wir ein wirksames Programm zur Nutzung der Brachflächen starten und dabei zugleich sehr viel für die Entwicklung einer lebenswerten Stadt erreichen.