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Die Kasseler Stadtverordnetenversammlung richtet sich mit Nachdruck gegen die geplanten Schließungen der Telekom-Call-Center in Kassel und anderen Städten und erklärt sich solidarisch mit den betroffenen Menschen.
Die Verlagerung des Kasseler Centers verlangt von den Beschäftigen, täglich über 100 km nach Fulda zu fahren; dies ist unzumutbar. Viele haben hier Familie und sich sozial in und bei Kassel niedergelassen und können dieser Aufforderung nicht ohne gravierende Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen nachkommen. Dass dies auch dem Vorstand der Telekom bekannt sein müsste, lässt vermuten, dass die Verlagerung nicht dem Erhalt von Arbeitsplätzen dient sondern aktiven Stellenabbau bedeutet.
Die Stadtverordnetenversammlung fordert die Telekom auf, den Standort Kassel langfristig zu sichern und in dem bestehenden Umfang zu erhalten.
Außerdem bittet die Stadtverordnetenversammlung den Magistrat, sich weiterhin mit allen gebotenen Mitteln für den Erhalt des in Kassel ansässigen Call-Centers mit seinen rund 200 Arbeitsplätzen einzusetzen und die Landesregierung aufzufordern, ebenfalls gegen eine mögliche Auflösung oder Verlagerung dieses für Nordhessen wichtigen Dienstleistungszentrums beim Vorstand der Telekom einzutreten.
 
Begründung:
Gerade im Bereich Telekommunikation mutet es seltsam an, 550 Arbeitsplätze nur zu verlagern. Gerade Call-Center sind an keinen Standort gebunden. Wieso will das Unternehmen erst ein neues Gebäude in Fulda bauen, um die gleiche Anzahl von Menschen weiter zu beschäftigen? Das wäre nicht rentabel. Es kann also nur darum gehen, die Beschäftigen unter Druck zu setzen und zum „freiwilligen“ Arbeitsplatzwechsel zu zwingen.
Von 180 Arbeitsplätzen, die nach dem Konzept der Deutschen Telekom in Kassel auf dem Spiel stehen, sind ein Großteil Frauenarbeitsplätze oder Teilzeitkräfte, deren Einkommen für die Familien existenziell wichtig sind. Die Schließungen würden für viele Familien einen besorgniserregenden Einschnitt bedeuten. Gerade für Teilzeitkräfte sind erhöhter Zeitaufwand und erhöhte Fahrtkosten (eine DB-Monatskarte kostet zur Zeit 296,- Euro) völlig unzumutbar.
Es ist nicht auszuschließen, dass das Beschäftigungsangebot in Fulda nur eine Übergangslösung darstellt. Die Verlagerung kann deshalb weder für die Beschäftigten noch für Kassel ein akzeptables Ergebnis sein.
Die geplanten Schließungen stehen auch im Widerspruch zur angekündigten verbesserten Kundenorientierung. Mit Schließungen in der Fläche wird eine Zentralisierung vorgenommen, die nicht kundenorientiert wirken kann.

Mehr dazu auch im InformationsSystem der Stadt Kassel