Anträge & Anfragen

Kontrolle der Verwaltung zur Erhaltung der Kunstfreiheit

zur Überweisung in den Ausschuss für Kultur

  1. Die Stadtverwaltung wird aufgefordert, die in der Treppenstraße entfernten Objekte „Klangechsen" und „Summstein" des Bildhauers Thomas Hofer dort unverzüglich zu reinstallieren.
  2. Dem Oberbürgermeister als Kulturdezernenten wird aufgegeben, zukünftig vor der Beseitigung oder erheblichen Veränderung von Kunstwerken, die den öffentlichen Raum nicht völlig unerheblich gestalten, die Zustimmung des Ausschusses für Kultur einzuholen.
  3. Im Vorfeld von Veränderung von Kunstwerken sollen der Kulturausschuss und der zuständige Ortsbeirat rechtzeitig informiert werden.

Begründung:

2 Tage vor Beginn der Documenta 13 wurden die im Bereich der Treppenstraße installierten Kunstwerke „Klangechsen" und „Summstein" des Kasseler Bildhauers Thomas Hofer durch die Stadtverwaltung demontiert. Sie wurden erst 2006 im Rahmen der aus Landesmitteln geförderten Aktion „Innenstadt-Offensive Ab-in-die-Mitte" errichtet. Die Aktion wurde durch die Kunstwerkstatt Kassel unterstützt. Kassel wurde seinerzeit für seine Aktionen ausgezeichnet.
Die „Klangechsen" waren im oberen Bereich der Treppenstraße nahe dem Jugendcafe „Boys und Girls" installiert, der „Summstein" am Rande der Grünfläche in Höhe der Querung der Wolfsschlucht. Beide Objekte erfreuten sich großer Beliebtheit sowohl bei Kindern wie bei Erwachsenen.
Nähere Erläuterungen und Bilder zu Kunstwerken, Künstler und der Aktion „Ab-in-die-Mitte" finden sich im Internet unter
http://cassel.dreipage2.de/treppenstra%C3%9Fe_kassel_42756463.html
http://kassel-zeitung.de/cms1/index.php?/archives/1221-Enthuellung-der-Klangobjekte-in-der-Treppenstrasse.html
http://kulturnetz-kassel.de/topografie/details.html?id=802
http://kassel-zeitung.de/cms1/index.php?/archives/349-Ab-in-die-Mitte.html

Als Grund für die Beseitigung der Kunstwerke wurde von der Bauverwaltung angegeben, dass die Objekte nicht mehr standsicher und durch Graffiti verunziert waren. Die Entfernung sei mit dem Künstler abgestimmt.
Der Bildhauer Thomas Hofer zeigte sich über die Demontage wenig erfreut. Er hätte etwaig notwendige Instandsetzungen auch vor Ort ausgeführt. Ihm zufolge wolle die Stadtverwaltung die Skulpturen zukünftig in Bettenhausen aufstellen.
Die Beseitigung der Kunstobjekte Hofers ausgerechnet 2 Tage vor Documenta-Beginn zwingt zur Vermutung, dass sich hier die Stadtverwaltung willfährig einem Konzept der Documenta-Leiterin Christov-Bakargiev unterworfen hat, die großen Innenstadtplätze als Präsentationsräume brach liegen zu lassen und von ihr nicht akzeptierte Begleitkunst – siehe auch Stephan Balkenhol und Gregor Schneider – zu unterbinden.
Die Reinstallation der Objekte von Hofer sollte schnellstmöglich vor Ort erfolgen, noch während des Laufs der Documenta 13. Eine Degradation der Objekte durch eine Installation an einem anderen Ort ist insbesondere angesichts der Tatsache zu verhindern, dass keinerlei Alternativ-Konzept für die Treppenstraße geschaffen wurde und auf den bisherigen Standorten lediglich Rasen frisch eingesät wurde.
Die Kunstbeseitigung durch die Verwaltung gibt Anlass, die Kunstfreiheit innerhalb der Stadt Kassel vor Gefälligkeits- oder Beliebigkeitsentscheidungen zu schützen. Es ist deshalb für die Zukunft ein Mitentscheidungsrecht des Stadtparlaments vorzusehen.

Mehr dazu auch im InformationsSystem der Stadt Kassel